Die Energiewende auf dem Hof

Sammle und speichere Energie
Energie kann man nicht erzeugen, sondern nur sammeln, speichern und wieder freisetzen. In den fossilen Brennstoffen ist Energie gespeichert, die über Tausende Jahre gesammelt wurde. Wir verbrauchen heute diese gespeicherte Energie in einem vergleichsweise sehr kurzen Zeitraum z. B. auch in der Landwirtschaft, um die Ernten auf ein nicht nachhaltiges Level zu erhöhen. Die negativen Auswirkungen dieser Vorgehensweise sind heute bereits deutlich sichtbar. Permakultur versucht, die zur Verfügung stehenden Energie so zu nutzen oder einzusparen, dass auch unsere Kinder diese Ressourcen noch zur Verfügung haben werden.

Es ist wichtig, sich die Kraft positiver Visionen bewusst und zunutze zu machen. Allzu häufig betreiben Umweltschützer angesichts von Erdölverknappung und Klimawandel Angstmache in der irrigen Annahme, mit apokalyptischen Zukunftsszenarien die Menschen zum Handeln bewegen zu können. Auf dem Permakulturhof Vorm Eichholz (e.V.) wollen wir deshalb gemeinschaftlich eine erstrebenswerte Zukunftsvision entwerfen und Lösungsbeispiele realisieren, von denen sich die Menschen unserer Stadt unmittelbar angezogen fühlen, die Spaß machen. Es gilt, die Begeisterung und den Möglichkeitssinn der Menschen für das Machbare zu stärken.

Seit März 2017 bewirtschaften wir die Gärten um die alte Hofstelle mit den beiden Gebäudenkomplexen, einerseits einem Wohnhaus mit Stallgebäuden und andererseits einer großen freistehenden Scheune mit Remise und Werkstatt . Die Wohnfläche im Bauernhaus beträgt ca. 150 m2, die zur Hofstelle gehörende Grundstücksfläche beträgt rund 3.700 m2. Hof und Grundstück wollen wir als Gärtnerhof nachhaltig und ökologisch bewirtschaften. Im Mittelpunkt der Gebäudesanierung steht die Entwicklung eines Ernergiekonzepts. Da der Hof auch wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen muss, ist das hohe Ziel, auch im Energiebereich möglichst autark zu werden. Dazu wollen wir auf dem Hof auf vielfältige Art und Weise regenerative Energien nutzen und produzieren.

Permakultur ist das bewusste Design sowie die Unterhaltung von landwirtschaftlich produktiven Ökosystemen, die die Diversität, Stabilität und Widerstandsfähigkeit von natürlichen Ökosystemen besitzen . Die Philosophie hinter Permakultur ist eine Philosophie, die mit und nicht gegen die Natur arbeitet, eine Philosophie der fortlaufenden und überlegten Observation und nicht der fortlaufenden und gedankenlosen Aktion; sie betrachtet Systeme in all ihren Funktionen, anstatt nur eine Art von Ertrag von ihnen zu verlangen, und sie erlaubt Systemen, ihre eigenen Evolutionen zu demonstrieren.

Permakultur ist ein Konzept, das auf die Schaffung von dauerhaft funktionierenden nachhaltigen und naturnahen Kreisläufen zielt. Ursprünglich für die Landwirtschaft entwickelt, ist sie inzwischen ein transformatives Grundprinzip eines ökologisch, ökonomisch und sozial nach-haltigen Wirtschaftens. Der ganzheitliche Erfolg dieses Bestrebens ist am möglichst gering gehaltenen „ökologischen Fußabdruck“ ablesbar.

Louise Rooney und Rob Hopkins übertrugen 2004 die Permakulturidee, die bis dahin eher im ländlichen Raum Anwendung fand, in die Stadt. Bei ihren Überlegungen fließen zwei weitere Aspekte ein: der Klimawandel und das Erdölfördermaximum Peak Oil. Sie gehen davon aus, dass die Nutzung fossiler Energieträger wie Öl, Kohle und Gas zwar vielen Menschen einen hohen Lebensstandard ermöglicht, aber auch die meisten sozialen und ökologischen Probleme mit verursacht hat. Mit dem Buch: „Energiewende. Das Handbuch. Anleitung für zukunftsfähige Lebensweisen“ veröffentlichte Hopkins 2008 eine bemerkenswerte Sammlung von Ideen, Erfahrungen, Herangehensweisen, Beispielen und praktischen Werkzeugen für den Weg zur Transition Town, einer „Stadt im Übergang“ bzw. „Stadt im Wandel“.

Diesem Wandel stellen wir uns auch auf dem Hof. Ziel ist erst einmal, so wenig Energie wie möglich einzusetzen, die dann dezentral und auf vielfältige, regenerative Weise lokal hergestellt werden kann. Zudem werden „Abfälle“ auf dem Hof (und in Zukunft vielleicht auch der umliegenden Kleingärten) als Ressourcen der Naturkreisläufe gesehen und sollen zukünftig genutzt werden (Biomeiler zur Gewächshausheizung, kleiner Biogasfermenter als Demoanlage, Komposttoiletten, Grau- und Regenwassernutzung).

Wir müssen zudem den Hof in seiner Gebäudetechnik und Energieversorgung vom 19. Jahrhundert ins 21. Jahrhundert transformieren. Die Elektroinstallationen müssen instand gesetzt bzw. erneuert werden. Der Hof ist nicht an das städtische Abwasserkanalnetz angeschlossen. Diese äußeren Bedingungen bilden einen Nullpunkt, von dem aus wir die gesamte Versorgung neu entwickeln wollen und müssen.  Das ehrgeizige Ziel ist die weitgehende Selbstversorgung mit Energie und Nahrungsmitteln.